Analyse zur Software-Fitness von Industrieunternehmen

Werner Quint und Bastian Eine

Auch in der Industriebranche spielt der digitale Wandel eine große Rolle; die intelligente Verschmelzung von Technologien und Abläufen ist unter dem Begriff „Industrie 4.0“ bekannt. Ein grundlegender Aspekt dieses digitalen Wandels ist die Weiterentwicklung der IT-Komponenten innerhalb eines Unternehmens [1]. Somit befindet sich auch die Unternehmenssoftware in einem grundlegenden Wandel bezüglich ihrer Vernetzung und Nutzung. Big Data, Cloud Computing, Künstliche Intelligenz sind dessen Treiber. Aber auch die neue Generation von IT-Nutzern in den Unternehmen, sogenannte „Digital Natives“, treiben diesen Wandel an [2]. Zudem wird durch die moderne Gestaltung von Unternehmensprozessen eine immer höhere Integration von Unternehmenssoftware gefordert. Um diesen Entwicklungstendenzen frühzeitig zu begegnen und die Anforderungen der Unternehmen zu erkennen, sind Analysen zur Software-Fitness von Unternehmen notwendig [3].

Nach der EU-Empfehlung 2003/361 zählt ein Unternehmen zu einem klein- und mittelständischen Unternehmen, wenn es nicht mehr als 249 Beschäftigte hat, einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen EUR erwirtschaftet oder eine Bilanzsumme von maximal 43 Millionen EUR aufweist [4]. Der Anteil der klein- und mittelständischen Unternehmen in Deutschland liegt bei 99,5 % [5].

58,3 % der Beschäftigten in Deutschland arbeiten in einem KMU [6]. Der Anteil der Industrieunternehmen im klein - und mittelständischen Bereich in Deutschland beträgt im Jahr 2016 ca. 15,9 % [7], das entspricht 3.455.424 Beschäftigten in klein und mittelständischen Unternehmen, wovon 216.808 Beschäftigte dem Industriesektor zugeordnet sind [8].

Da klein- und mittelständische Unternehmen und insbesondere die Industriebranche in Deutschland volkswirtschaftlich eine maßgebliche Rolle spielen, wurde bei der Erstellung der Studie der Fokus auf diese Branche gelegt.


Ziel der Studie 

Ziel der Studie ist es, die Unternehmenssoftware-Fitness mittelständischer Unternehmen deutschlandweit zu analysieren, um für diese Unternehmen ein Stärken-/Schwäche-Profil zu erstellen. Die Ergebnisse werden in Form eines Rankings dokumentiert, um unter anderem den Best- und Worst-Case aufzuzeigen. Wenngleich die Studie für die Industriebranche erstellt wurde, ist die Erhebung allerdings eher als Grunduntersuchung anzusehen, da diese auf jegliche Branche anwendbar ist. 


Bild 1: Branchenstruktur von KMUs [9].

Der spezifische Nutzen für die Unternehmen kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • Teilnehmende Unternehmen erhalten einen Report über ihr Unternehmen im Hinblick auf die in der Studie enthaltenen Kriterien.
  • Die Unternehmen erhalten mit der Auswertung ihres Unternehmensergebnisses einen Benchmark, der sie im Vergleich zu anderen Unternehmen zeigt.
  • Es sollen Aussagen über die Effektivität der Analyse-Kriterien getroffen werden können.


Methodik

Basierend auf verschiedenen Quellen, wie etwa der Geschäftsprozessanalyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers GmbH [10] oder eine bereits im Jahr 2016 durchgeführte Untersuchung zur Unternehmenssoftware-Fitness der Hochschule RheinMain [11] wurden wissenschaftlich fundierte Analyseansätze herangezogen, um den Kriterienkatalog für die Geschäftsprozessanalyse zu erstellen. Die Geschäftsprozessanalyse thematisiert Chancen und Risiken betriebswirtschaftlicher Standardsoftware und gibt eine umfassende Einführung in ereignisgesteuerte Prozesse. Auch die International Business Machines Corporation (IBM) nutzt Software und Services, um dem Unternehmen transparenten Einblick in ihre Geschäftsprozesse zu verschaffen und nennt dieses Geschäftsprozessmanagement Business Process Management, kurz BPM [12]. 

Mithilfe von BPM können Geschäftsprozesse automatisiert, überwacht und optimiert werden, um die Effizienz zu steigern und die Kosten zu senken.