Wie ERP-Systeme den Mittelstand transformieren

Michael Wüstemeier

Die Digitalisierungswelle hat den produzierenden Mittelstand in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreicht. Der Veränderungsdruck entsteht auch durch die Transformation hin zur Smart Factory. Es geht darum, effizientere Produktionsprozesse zu schaffen und Industrie 4.0 zu etablieren. Laut einer Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC) [1] wollen 62 % der Betriebe deshalb ihre ERP-Lösung in den kommenden zwei Jahren um zusätzliche Funktionen erweitern.

Digitalisierung wird teilweise auch als Synonym von Industrie 4.0 verwendet. Mittelständler brauchen außerdem mehr Internationalisierung, mobile Einsatzmöglichkeiten, die richtige Balance von agilen und stabilen Prozessen und die nahtlose Kopplung des Shopfloors an das ERP-System. Auch die Datenqualität sowie die Vernetzung von Daten und Wissen sind für sie sehr relevant. 

Agil und tief integriert 
Agilität gehört zu den aktuellen Themen. Doch bei aller Flexibilität benötigen Unternehmen stabile Backbone-Systeme, die ihre Geschäftsprozesse zuverlässig und sicher abwickeln. In diesem Spannungsfeld entwickeln sich ERP-Systeme hin zu Plattformen mit einem stabilen Kern, die flexibel und modular konfigurier- und erweiterbar sind und je nach Bedarf on-premises oder in sicheren Cloudumgebungen laufen. 
Zunehmend vereinfacht sich auch die Anpassung an die Geschäftsprozesse. Relativ neu ist die Möglichkeit, Maschinen direkt aus dem auftragsführenden ERP-System anzusteuern. Fehlende Standards oder ein älterer Maschinenpark sind dabei kein Hindernis mehr. Immer mehr Anlagen und Maschinen tauschen sich so bidirektional direkt mit dem ERP-System aus. 

Wertschöpfungspotenziale der Daten 
Daten sind das Fundament eines optimalen ERP-Einsatzes. Ihre Richtigkeit und Eindeutigkeit werden durch die zunehmende Automatisierung immer wichtiger. Viele Unternehmer erkennen gerade den finanziellen und wirtschaftlichen Wert, der durch das Internet der Dinge sowie die Speicherung, Abfrage und Analyse großer Mengen hochdetaillierter Geschäftsdaten entsteht. Der von Digital Reality in Auftrag gegebene „Data Economy Report 2018“ [2] beziffert hier das Wertschöpfungspotenzial in Deutschland auf rund 200 Milliarden Euro, die bisher nur zu 55 Prozent abgeschöpft werden. Während halbherzige Daten-Bereinigungsprojekte zum Scheitern verurteilt sind, wirkt ein in das ERP-System integriertes, stetiges Data Quality Management.
Um Produkte, Prozesse oder Leistungen fundiert bewerten zu können, müssen auch Controller zahlreiche Daten aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchten. Zeitgemäße ERP-Systeme bieten eine mehrdimensionale Ergebnisrechnung, gepaart mit eingängigen Visualisierungen und interaktiven Auswertungsmöglichkeiten. Hierfür ist ebenfalls ein Data-Quality-Prozess, der wesentliche Stamm- und Bewegungsdaten auf Vollständigkeit und Plausibilität kontinuierlich prüft, nötig. Entsprechende Werkzeuge der ERP-Software automatisieren diese Prüf- und Korrekturprozesse weitestgehend. Ein tief in die Geschäftsprozesse integriertes ERP-System ist so der Motor der datengetriebenen Wertschöpfung und unterstützt außerdem hocheffizient die smarte Produktion.

Digitalisierung mit dem ERP-System 
Im Zentrum vieler Digitalisierungsinitiativen steht das ERP-System. Diese unternehmenskritische Software lässt sich nicht über Nacht austauschen oder umbauen. Starre Systeme und Datensilos wirken aber wie ein riesiger Bremsklotz auf die Transformationsdynamik. Viele Unternehmen wollen deshalb ihre ERP-Systeme modernisieren. Dabei verfolgen die Mittelständler für die nächsten 24 Monate ganz unterschiedliche Strategien von der Ergänzung des bestehenden Systems über eine Teil-Ablöse bis hin zur Verschlankung ihrer Geschäftsanwendungen. Die Digitalisierung und damit die Weiterentwicklung der ERP-Systeme ist kein disruptiver Umbruch, sondern findet eher schrittweise statt. Ein großer Teil der Mittelständler hat sich bereits auf diesen Weg gemacht und erzielt ständig weitere Fortschritte, die die Fertigung verschlanken und neue Services ermöglichen.
 

Kontakt:
Michael Wüstemeier
Director Consulting
proALPHA
Auf dem Immel 8
67685 Weilerbach
www.proalpha.de

Literatur:

[1] https://www.proalpha.com/de/lp/erp-studie-digitalisierung-im-mittelstand
[2] https://www.digitalrealty.com/data-economy