Trends und Erfolgsfaktoren im Zuge der Digitalisierung
Ergebnisse einer Studie zum Stammdatenmanagement

Helmut Beckmann und Thomas Schäffer

Der vorliegende Beitrag stellt die Ergebnisse einer Studie zum Thema Stammdatenmanagement und -qualität dar und zeigt insbesondere, dass Großunternehmen einen deutlichen Vorsprung in der Umgangsweise mit der Stammdatenqualität gegenüber dem Mittelstand haben. Den meisten Unternehmen fehlt es jedoch an einer unternehmensweiten Stammdatenorganisation und einer dazugehörigen Datenstrategie. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Unternehmensentscheider auf der einen Seite hohes Verständnis haben, dass die Datenqualität eine direkte Auswirkung auf die Rentabilität im Unternehmen hat, aber auf der anderen Seite fehlt die Investitionsbereitschaft das Thema professionell adäquat umzusetzen.

Kaum ein Unternehmen wird sich im Zeichen des digitalen Informationszeitalters eine mangelhafte Datenqualität leisten können. Der Erfolg eines Unternehmens wird zukünftig davon abhängig sein, wie gut es mit Informationen umgehen kann und wie gut es in der Lage ist, aus Wissen Entscheidungen zu treffen und nachgelagerte Aktionen einzuleiten. Stammdaten stellen dabei die Grundlage für jegliche Informationen und Wissen dar und sind idealtypisch qualitativ sehr hochwertig. So ist es nicht verwunderlich, dass aktuelle Trends wie Mobility, Digitalisierung bzw. Internet der Dinge, Big Data oder Datability treibende Kräfte für ein unternehmensweites Stammdatenqualitätsmanagement sind. In vielen Unternehmen ist somit eine deutliche Bewusstseinsänderung hinsichtlich der Stammdatenqualität spürbar.
 

Zielsetzung der Studie

Das grundsätzliche Ziel der Trendstudie war es, Maßnahmen zur Messung und Sicherung der Stammdatenqualität, die in den Unternehmen zum Einsatz kommen oder gar Standard sind, zu identifizieren. Ferner galt es, meist genutzte Praktiken für die Umsetzung eines unternehmensweiten Stammdatenqualitätsmanagements aus den verschiedenen Branchen zu erheben. Die Trendstudie Stammdatenqualität in Unternehmen wurde im Jahr 2013 von der Hochschule Heilbronn im Studiengang Wirtschaftsinformatik durchgeführt sowie 2016 wiederholt und basiert auf einer empirischen Analyse einer Online-Befragung von 140 Unternehmen aus 11 Branchen und unterschiedlichen Größen [1, 2]. Sie liefert Aussagen und Einschätzungen über die Erfolgsfaktoren und gibt Empfehlungen zur Umsetzung für die Stammdatenqualität in Unternehmen.
 

Ergebnisse der Studie

Als wesentliche Ergebnisse der Trendstudie sind zu nennen:

  • Die drei wichtigsten Trends für Unternehmen sind:

1. Mobilgeräte überholen PCs,

2. Big Data-Strategie und

3. Hybrid IT und Cloud Computing.

  • 50 Prozent der Unternehmen haben Initiativen zur Verbesserung der Stammdatenqualität durchgeführt. Mittlere Unternehmen planen überproportional mehr Initiativen als Großunternehmen.
  • 79 Prozent der Befragten teilen die Meinung, dass eine schlechte Datenqualität sich hoch bis sehr hoch auf die Rentabilität im Unternehmen auswirkt. Insbesondere das Top-Management vertritt diese Meinung.

Die Unternehmen beurteilen die vorhandene Datenqualität auf 3 bei einer Skala von 1 bis 5. Dabei haben Produkt- und Materialstammdaten die höchste und Kunden- und Lieferantenstammdaten die niedrigste Datenqualität.

  • 63 Prozent der Befragten sind der Meinung, einen hohen bis sehr hohen Aufwand zur Sicherstellung der Datenqualität zu haben. Die zugehörige Datenqualität ist jedoch eher mangelhaft als perfekt.
  • 59 Prozent der Unternehmen, überwiegend mittelständische Unternehmen, haben kein festes Budget für die Sicherung der Datenqualität.

Unvollständige Stammdaten sind die am häufigsten genannten Stammdatenprobleme. Besonders bei Unternehmen mit 250 - 499 Mitarbeitern und der Branchen Handel bzw. Automobilindustrie.

  • 75 Prozent der Unternehmen führen Datenqualitätsprobleme auf Fehler bei der Dateneingabe zurück. Der Faktor „Mensch“ ist Hauptursache für mangelhafte Stammdaten.
  • 63 Prozent der Unternehmen ermitteln die Stammdatenqualität manuell und nach Bedarf, dies stellt eine große Herausforderung zur Gewährleistung der Stammdatenqualität dar (Bild 2). Eine automatisierte Vorgehensweise weist eine deutlich höhere Datenqualität auf.
  • 66 Prozent der Unternehmen verwenden Excel oder Access-Lösungen zur Validierung der Stammdatenqualität. 90 Prozent der Unternehmen, welche ein festes Budget haben, setzen allerdings spezifische MDM-Werkzeuge ein.
  • 32 Prozent der Unternehmen, überwiegend Großunternehmen, planen konkret in den nächsten 12 Monaten Maßnahmen zur Verbesserung der Stammdatenqualität. Die Maßnahmen erstrecken sich von reinen Organisationsänderungen bis hin zur Einführung neuer Datenqualitätswerkzeuge.

Erkenntnisse der Studie

Aus den Einschätzungen der Unternehmen lassen sich wesentliche Erkenntnisse ableiten:

  • Das Top-Management sieht deutlich den direkten Zusammenhang zwischen Datenqualität und Rentabilität für das Unternehmen, jedoch fehlt es an konkretem Nutzenpotential eine entsprechende Datenqualität-Unternehmenskultur aufzubauen und mit entsprechenden Ressourcen auszustatten.
  • Großunternehmen haben im Vergleich zu mittelständischen Unternehmen und Kleinstunternehmen einen Vorsprung in Sachen Stammdatenqualität. Allerdings haben die meisten mittelständischen Unternehmen und Kleinstunternehmen die Notwendigkeit erkannt und planen Initiativen.
  • Der Fachbereich ist der wichtigste Unternehmensbereich zur Sicherstellung und Verbesserung der Stammdatenqualität. Jedoch wird in den meisten Fällen das Stammdatenmanagement nicht als eigenständige Aufgabe gesehen, sondern lediglich parallel zum normalen Tagesgeschäft betrieben. Eine durchgängige sowie langfristig orientierte Unterstützung von geeigneten MDM-Werkzeugen, Methoden und vor allem Daten-Experten fehlt weitgehend.
  • Es kommen derzeit wenig spezifische MDM-Tools zur Validierung der Stammdatenqualität zum Einsatz. Stattdessen haben herkömmlichen Office-Werkzeuge, wie z. B. Excel, einen hohen Nutzungsgrad.
     

Fazit – Trends der Studie

Die Erkenntnisse geben einen Trend hinsichtlich derjenigen Faktoren an, die für eine erfolgreiche Umsetzung von Stammdatenqualitätsinitiativen und somit der unternehmensweiten Verbesserung der Stammdatenqualität zu beachten sind. So können Fehler vermieden und die Akzeptanz erhöht und somit das mit der Ein- bzw. Fortführung verbundene Verbesserungs- und Rationalisierungspotenzial genutzt werden. 

Die wesentlichen Trends der Studie sind:

  • Die Stammdatenqualität ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für den wirtschaftlichen Unternehmenserfolg.
  • Ein quantifizierbarer Wertbeitrag der Stammdatenqualität zum Unternehmenserfolg in Form einer vollumfänglichen Nutzen-Kosten-Betrachtung (TCO) erhöht die Investitionsbereitschaft für eine Stammdatenqualitätsinitiative.
  • Eine wohldefinierte Datenqualitätsorganisation in den Unternehmen
  • (= ausgestattet mit klaren Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Budget) erhöht die Stammdatenqualität.
  • Wissen, welche Stammdatenarten in welchem Prozess verwendet werden („fitness for use“), Aufbau eines unternehmensweiten Metadatenmanagements und Einsatz von spezifischen Technologien zur Automatisierung erhöht die Stammdatenqualität.
  • Mit spezifischen MDM-Werkzeugen kann die Stammdatenqualität präziser bestimmt werden als mit herkömmlichen IT-Werkzeuge und erhöht die Stammdatenqualität.
  • Die Nutzung von Klassifikationen erhöht die Stammdatenqualität in den Unternehmen.     

 

 

 

Schlüsselwörter:

Digitalisierung, Stammdatenmanagement, Datenqualität, Trendstudie

Literatur:

[1] Beckmann, H. (Hrsg.), Schäffer, T.: Trendstudie Stammdatenqualität 2013; Steinbeis Edition; 2013.
[2] Beckmann, H. (Hrsg.), Schäffer, T.: Trendstudie Stammdatenqualität 2016; Steinbeis Edition; 2016 (noch nicht veröffentlicht).