ERP als Grundbedingung für vollständige Digitalisierung

Jürgen Barth

Das Herzstück der Digitalisierung: ERP 

Von „Order to Cash“ über „Procure to Pay“ bis zu „Plan to Product“ – Geschäftsprozesse müssen vollständig digitalisiert sein, wollen Unternehmen mit der Schnelligkeit des Tagesgeschäfts und den Anforderungen der Kunden mithalten. In vielen Unternehmen mangelt es jedoch an der konsequenten Umsetzung: Schnittstelle hier, Schnittstelle da, Pilotprojekte in einzelnen Abteilungen, Daten in verschiedenen Formaten und Systemen. Unternehmen haben jetzt vor allem Bedarf, Ordnung in das digitale Chaos zu bringen. Ein leistungsstarkes ERP-System kann dabei helfen. 

Wertschöpfungsketten gehen heute fast vom Rohprodukt bis hin zum Endkunden oder sogar bis zur Entsorgung des Produktes. Diese umfassende Integration aller Akteure bringt eine wesentlich höhere Komplexität, denn die Informationen müssen überall in Echtzeit, aber auch entsprechend des Bedarfs zur Verfügung stehen. Die Vielzahl der Akteure verändert auch die Prozesse. Ein streng strukturierter Ablauf mit starren Hierarchien in Kommunikation, Datenfluss und Entscheidung funktioniert nicht mehr – zu schwerfällig, zu anfällig. 

Zum IT-Kernstück all dieser Veränderungen kann das Enterprise Ressource Planning (ERP) werden. Von hier gehen wichtige Impulse aus – sei es Richtung Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter. Doch nicht jedes ERP ist den Anforderungen in einem hochgradig digitalisierten Umfeld gewachsen. Welche Kriterien sind bei der Auswahl und beim Betrieb des Systems zu beachten?


Kriterium 1: Integrationsmöglichkeiten überprüfen

Integration wird zum Entscheidungskriterium: Kann das ERP-System alle möglichen, heute vielleicht noch unbekannten Subsysteme anbinden, um auch wirklich die relevanten Daten zu bekommen? Bietet die Lösung die Offenheit, um den Datenfluss von und zu unterschiedlichsten Systemen zu gewährleisten? Ein modernes ERP-System muss die umfassende Kommunikation mit den verschiedensten Systemen möglich machen – ohne Aufwand und ohne Reibungsverluste.


Kriterium 2: Ein digitales Kernstück schaffen

Geschäftsprozesse beschränken sich längst nicht mehr auf einzelne Abläufe wie Einkaufs- oder Beschaffungsprozesse und Lieferantenbeziehungen, sie schauen auf die gesamte Wertschöpfungskette, binden Mitarbeiter aus vielen Bereichen ein, vernetzen eine Vielzahl an Geräten und Maschinen und umfassen auch einen Multichannel-Kundenkontakt. Ein dynamisches Unternehmen benötigt eine Plattform, an die alle Geschäftsbereichslösungen angebunden werden und die einen reibungslosen, formatunabhängigen Datenaustausch gewährleistet – Funktionen, die auch ein ERP-System erfüllen kann. Das ermöglicht zum Beispiel Hybrid-Szenarien und schrittweise Implementierungen. 


Kriterium 3: Echtzeit-Orientierung an Regelwerten

Ebenfalls relevant ist, ob das ERP-System Informationen in Echtzeit verarbeiten und entsprechend einer vorgegebenen Policy bestimmte Aktionen auslösen kann. So werden starre, vordefinierte Prozesse flexibel, die Ergebnisse beispielsweise von Messdaten verändern die einzelnen Prozessschritte oder die Informationen über eine Auftragsänderung spiegeln sich sofort in der Produktion. Es geht um das Sammeln und Analysieren von Echtzeitinformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette – etwa Informationen aus dem Finanzsystem, Stamm- und Bewegungsdaten von Kunden, Lieferanten und Produkten sowie Produktionsdaten, Bestandsinformationen, Liefertermine oder Transportkosten. 

Das digitale Unternehmen verbindet alle Aspekte der Wertschöpfungskette, um auf Basis von Echtzeitinformationen bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen. Dafür ist eine einheitliche Datenbasis notwendig, die als verlässliche Quelle für Informationen dient. Über rollenbasierte Zugänge und intuitive Benutzeroberflächen können Mitarbeiter über alle Endgeräte hinweg auf diese Quelle zugreifen.  


Software alleine ist nicht alles 

Ebenso wichtig wie ein leistungsstarkes ERP-System, das den oben genannten Kriterien entspricht, ist eine genaue und schrittweise Implementierung, Konfiguration und Aktivierung des Systems. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter anhand der tatsächlich relevanten Betriebsabläufe geschult werden und wichtige Informationen in einem Handbuch zur Verfügung stehen. Die Digitalisierung eines Unternehmens ist letztlich nur dann erfolgreich, wenn alle Mitarbeiter, alle Informationen und alle Geschäftsprozesse Teil dieser Veränderung sind.

 

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