Deutsche Fertigungsindustrie nach wie vor stark im globalen Wettbewerb – doch die globalen Wettbewerber holen auf

Laut Analysten wie Deloitte1 gehört die Fertigungsindustrie in Deutschland nach wie vor zu den stärksten im globalen Wettbewerb – und dies wird wohl zunächst auch so bleiben. Dennoch: Die Wachstumsraten schwächen sich ab. Wer seine führende Position behaupten und weiter wachsen will, muss mit Mut zur Innovation in moderne Technologien investieren – Industrie 4.0 ist hier nur ein Beispiel.

Investitionen in Fortschritt sichern führende Stellung im Wettbewerb

Im 2016 Global Manufacturing Competitiveness Index2 macht Deloitte deutlich: China und USA sind die beiden führenden Nationen, was die Wettbewerbsstärke der Fertigungsindustrie betrifft. Deutschland folgt auf Platz drei und wird laut Prognosen diesen Platz auch behalten. Generell gilt: Der Wandel in den Produktionsmethoden und kontinuierliche Investitionen in Fortschritt für höhere Wertschöpfung führen dazu, dass sich die traditionellen Industrienationen wie USA, Deutschland, Japan und UK in den Top 10 positionieren und diese Stellung auch behaupten können. 

Die Entwicklung von „Smart Factories“ in den USA, Japan und Europa sowie die Industrie 4.0-Initiativen in Deutschland, die künstliche Intelligenz, Machine Learning, Sensoren, Robotic und Automation kombinieren, werden im globalen Wettbewerb künftig eine entscheidende Rolle spielen.

Allerdings: Die „Mighty Five“ – Malaysia, Indien, Thailand, Indonesien und Vietnam – könnten in den nächsten fünf Jahren das Bollwerk der 15 Top-Nationen in puncto Wettbewerbsfähigkeit der Fertigungsindustrie aufbrechen aufgrund ihrer geringen Arbeitskosten, agilen Fertigungsmethoden, demografischer Entwicklung und Marktwachstum.

Ausgebildete Fachkräfte, Technologie und Zusammenarbeit sind die wichtigsten Wettbewerbsfaktoren

Insgesamt stellt die Deloitte-Studie klar, dass ausgebildete Fachkräfte der Wettbewerbsfaktor Nummer 1 sind. Sie mit differenzierten Strategien zu rekrutieren, zu entwickeln und zu halten gehört zu den Kernaufgaben. Dies untermauert auch eine globale Epicor Studie3: Die Befragung unter weltweiten Führungskräften hat ergeben, daß viele Unternehmen an der Entwicklung der nötigen Infrastruktur arbeiten, um für die zukünftigen Mitarbeiter attraktiv zu sein und sie zu fördern. Fast 80 Prozent (79%) der befragten Führungskräfte investieren in eine integrierte IT-Infrastruktur oder haben dies bereits getan. 

Ein weiterer entscheidender Wettbewerbsfaktor ist nach Deloitte der Einsatz moderner Technologien. Führende Fertigungsunternehmen des 21. Jahrhunderts haben die digitale und physische Welt vollständig konvergiert, wobei fortgeschrittene Hardware kombiniert mit Software, Sensoren, umfassenden Daten und Analytics zu intelligenteren Produkten und Prozessen führt sowie zu engeren Verbindungen zwischen Kunden, Zulieferern und der Produktion. Wesentlich ist zudem die Fähigkeit, kollaborative Netzwerke und starke Partner-Ökosysteme für integrierte Fertigungs- und Technologie-Cluster zu bilden.

Wettbewerbsrelevante Kriterien für ERP

Diese Wettbewerbsfaktoren müssen – und können – von zentralen Systemen der Unternehmenssteuerung unterstützt werden. Bei Fertigungsunternehmen richtet sich dabei der Blick direkt auf ERP-Systeme. Die Auswahlkriterien für moderne Lösungen sind folglich:

  • Fördert das ERP-System die Produktivität der wertvollen Fachkräfte durch hohen Automatisierungsgrad und unterstützt es Entscheidungen durch leistungsfähige Business Intelligence- und Analytics-Funktionen? 
  • Gewährleistet eine enge Integration von ERP mit Manufacturing Execution Systems (MES) bis hin zur einzelnen Maschine, dass die Anforderungen aus dem Unternehmensmanagement mit den Zwängen der Produktion in Echtzeit abgestimmt werden können?
  • Unterstützt das ERP-System heutige Anforderungen an die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinaus mit Social Collaboration und mobiler Systemnutzung auf Smart Phones und Tablets?

Vergleich zwischen Deutschland, China und Indien

Interessant ist dabei im globalen Wettbewerb der Fertigungsindustrie ein vergleichender Blick auf die Strategien der Unternehmen aus Deutschland und China sowie Indien als Vertreter der Emerging Markets. Die aktuelle globale Epicor-Studie4 zu den Risiken und Chancen von Unternehmenswachstum zeigt: Auf die Frage nach den wichtigsten Faktoren für das Unternehmenswachstum in den vergangenen zwölf Monaten, nannten 56 Prozent der Entscheider in China den Einsatz der richtigen Technologie, für Indien liegt der Wert bei 41 Prozent, für Deutschland hingegen nur bei 30 Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Frage, welche Faktoren das Wachstum insbesondere von mittelständischen Unternehmen stimuliert: Technologieführerschaft ist mit 68 Prozent bei den Befragten in China die Top-Antwort, in Indien liegt der Wert bei immerhin noch 46 Prozent, in Deutschland dagegen nur bei 33 Prozent. Dieser Fokus auf Technologieführerschaft wird den aufstrebenden Industrienationen möglicherweise auf lange Sicht einen ernstzunehmenden Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Führungsanspruch der etablierten Industrienationen einbringen.

Zudem setzen China und Indien verstärkt auf Technologien, um den Mangel an Fachkräften zu kompensieren:  70 Prozent der Befragten aus China und 63 Prozent aus Indien sind überzeugt, dass dies am einfachsten durch den Einsatz von Technologien zu lösen ist. In Deutschland liegt der Wert bei 51 Prozent.

Unternehmen aus China (76 Prozent) sowie aus Indien (78 Prozent) setzen stärker als deutsche Unternehmen (65 Prozent) darauf, ihre Mitarbeiter mithilfe von Technologie von banalen Tätigkeiten zu befreien, um sie zu halten. Ähnliches zeigt sich im Hinblick auf den Einsatz von Technologien, um flexibleres Arbeiten zu ermöglichen. In China und Indien ist zudem der Fokus auf die Rekrutierung von Mitarbeitern der zwischen 1980 und 2000 geborenen Millenials-Generation deutlich stärker ausgeprägt. 65 Prozent der Befragten aus Indien und 49 Prozent aus China halten dies für wichtig bis sehr wichtig, in Deutschland liegt der Wert bei nur 27 Prozent.

Risiko verspäteter Investitionen in IT-Modernisierung

Natürlich sind diese Unterschiede vielfach darauf zurückzuführen, dass Unternehmen aus Deutschland häufig über eine bessere IT-Ausstattung verfügen. Doch die Wettbewerber aus China und Indien holen auf und investieren verstärkt in aktuelle Technologien. Das Risiko besteht, dass deutsche Unternehmen zu lange auf ihren technischen Vorsprung vertrauen, nötige Modernisierungen versäumen und langfristig überholt werden.
 

Matthias Mueller-Wolf, VP Sales Europe, Epicor Software Deutschland GmbH

1 Deloitte im 2016 Global Manufacturing Competitiveness Index,  http://www2.deloitte.com/global/en/pages/manufacturing/articles/global-manufacturing-competitiveness-index.html

2 Deloitte im 2016 Global Manufacturing Competitiveness Index,  http://www2.deloitte.com/global/en/pages/manufacturing/articles/global-manufacturing-competitiveness-index.html

3 http://www.epicor.com/Germany/Press-Room/News-Releases/Globale-Studie--U...ünschen-sich-Technologieführerschaft-aber-vernachlässigen-technikaffine-Generation-der-Millenials.aspx

4 Epicor Growth Studie: http://www.epicor.com/germany/Company/Business-Growth.aspx