Business Intelligence in der Cloud
Einordnung, Nutzen und Potenziale

Oliver Norkus und Jürgen Sauer

Der Hype um das Thema Cloud Computing verändert sich immer stärker zu einem Trend. Cloud Computing ist Treiber zahlreicher Innovationen. Die Cloud bringt viele Eigenschaften mit sich, welche die heutigen Ansprüche insbesondere an analytische Anwendungen treffen. Einige dieser Eigenschaften zeigen für diese Anwendungen einen revolutionären Charakter. Erste Business Intelligence Cloud Angebote sind bereits am Markt verfügbar, eine Standardisierung aber fehlt. Dieser Beitrag gibt eine Einordnung von Business Intelligence in der Cloud und zeigt Nutzen und Potenziale auf.

Globalisierung und zunehmender Wettbewerb sowie die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise sind Themen, die von insbesondere international agierenden Unternehmen nicht mehr außer Acht gelassen werden können. Überdies können das Naturell und die Struktur der aktuellen dynamischen Welt dazu führen, dass die bestehenden Unsicherheiten und Risiken sowie die Unvollständigkeit von Informationen zu geschäftsbestimmenden Eigenschaften des künftigen Business werden und nicht nur eine vergängliche Charakteristik der Krise sind [1].
Vor diesem Hintergrund steigen die Anforderungen an automatisierte, flexible und unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse und damit ebenso an die Informationstechnologie (IT) seit Jahren. Vor allem nehmen die Anforderungen an Techniken und Methoden der Entscheidungsunterstützung (Business Intelligence, BI) insbesondere an das Berichtswesen und analytische Anwendungen signifikant zu [2, 3, 4, 5, 6, 7, 8].
Auf der anderen Seite schreitet die technologische Entwicklung voran. Es entstehen neue Konzepte und Technologien, wie Cloud Computing (CC), die eine bedeutsame Auswirkung auf die IT und das Business haben. Unter CC kann die Bereitstellung von IT-Leistungen als Service verstanden werden. Ähnlich wie Wasser oder Strom sollen Cloud-Dienste jederzeit erreichbar sein und eine verlässliche Qualität haben [9]. Sie weisen dabei fünf Charakteristika auf [10, 11]:

  • Gemeinsame Nutzung physischer Ressourcen aus einem Pool an Ressourcen mit den Kernaspekten Virtualisierung und Mehrmandantenfähigkeit,
  • Unverzügliche Ressourcenanpassung an den Bedarf mit unendlich erscheinender Quantität,
  • Nachvollziehbare Erfassung der Bereitstellung zu Abrechnungszwecken,
  • Allgemeiner Netzwerkzugriff durch Bereitstellung ausreichender Bandbreiten und Einhaltung technischer Standards und
  • Selbstbedienungsmöglichkeit des Anwenders bei Bedarf durch Automatisierung der Konfiguration ohne arbeitsintensive Eingriffe auf Anbieterseite.


  • Business Intelligence as a Service
    Konventionelle BI-Systeme und -Anwendungen erfüllen die Anforderungen des durch die fortschreitende Globalisierung getriebenen und unter starkem Wettbewerb stehenden Business nicht mehr hinreichend. Zukünftige Reporting-Tools müssen proaktive, integrierte analytische Anwendungen sein, die flexibel und skalierbar sind, Self-Service Funktionen bieten und mit der immer größer und komplexer werdenden Datenbasis umgehen können [12]. Analytische Anwendungen in der Cloud können hier die Lösung sein. CC weist zur Erfüllung der Anforderungen hohes Potenzial auf und zeigt revolutionären Charakter. Analytische Anwendungen können als Cloud-Dienst bereitgestellt werden (Business Intelligence as a Service, BIaaS) und erfüllen somit die Anforderungen, die in der jüngsten Vergangenheit zugenommen haben und aufgrund des wirtschaftlichen Umbruchs und Wandels an die IT und analytische Anwendungen gestellt werden.

    Chancen und Potenziale
    Berichte und Analysefunktionen können flexibel in Prozesse eingebunden und orchestriert werden. Gerade in turbulenten Zeiten können Reports und Analysen auch zur Verfügung stehen, wenn alle Entscheidungsträger gleichzeitig zugreifen.
    Analytische Dienste stehen dauerhaft, nicht nur zu vereinbarten Abnahmezeitpunkten, in verlässlicher Qualität zur Verfügung. Analytische Anwendungen in der Cloud gewährleisten Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Der Zugriff kann geräteunabhängig von beliebigen Orten geschehen, einen umfassenden Netzwerkzugriff unterstellt. Die analytische Anwendung kann rollenspezifisch ausgeliefert und personalisiert werden.
    BIaaS bietet eine hohe Flexibilität: Reports und Analysen können an die Bedürfnisse der Stakeholder und an Vorgaben der Compliance angepasst werden. Intuitiv und unabhängig von Dritten können Anwender Reports dynamisch nach ihren eigenen Vorstellungen anpassen. BIaaS bietet nicht nur Flexibilität auf der Ebene der Visualisierung und Modellierung, sondern auch auf der Ebene der Technik: Änderungen an Cubes, Befüllungsprozessen oder multidimensionalen Datenbanken können einfach und flexibel vorgenommen werden, was gerade in Zeiten von sich schnell und oft ändernden operativen IT-Landschaften (z. B. wegen Mergers and Acquisitions) wichtig ist. Analytische Anwendungen in der Cloud versprechen eine sehr hohe Abfrage- und Analyseleistung, insbesondere eine schnelle Bereitstellung auch komplizierter Reports und eine schnelle Reaktivierung bei Änderung eines Parameters.
    Die Anschaffungskosten werden eliminiert und die zum Teil fixen Betriebskosten verändern sich zu variablen Kosten. Dadurch wird die Investitionssicherheit erhöht und Entwertungen von Vermögenswerten verhindert. Die Kosten werden bedarfsabhängig und vor allem auch vorkalkulierbar. Bisher komplizierte Lizenzierungsaspekte können somit bewältigt werden.

    Richtungsweisende Angebote
    Erste Produkte [z. B. 13, 14, 15], die von den Herstellern als BI-Cloud-Lösungen angeboten werden, sind bereits am Markt. Eigene und existierende Untersuchungen [16, 17] zeigen mannigfaltige Unterschiede. Insgesamt bedürfen die bestehenden Angebote einer Ausreifung. Der aktuelle Reifegrad der Angebote kann als früh und heterogen angesehen werden. Unterschiede in den Produkten liegen beispielsweise in den Bereichen Architekturmodell, Visualisierungsfunktionen und Benutzerfreundlichkeit sowie im Abrechnungsmodell vor. SAP beispielsweise rechnet nach Nutzungsstunden ab und Microsoft nach Ressourcenbedarf. Auffällig ist ebenfalls, dass Unterschiede in der Architektur insbesondere im Berechtigungs- und Sicherheitskonzept bestehen.
    Es ist unklar, inwiefern die aktuellen Anforderungen erfüllt und die Potenziale durch die aktuellen Anwendungen gehoben werden. Insgesamt gibt es derzeit noch wenig Erfahrung mit BI in der Cloud und somit auch wenig Erfahrungsberichte. BIaaS wird eher zu Testzwecken eingesetzt. Daneben liegt ein Mangel an angemessenen Architekturen und Standards sowie deren Verständnis vor. Dies zusammen führt zum Ausbleiben der Nutzung und zu Skepsis.

    Fazit und Ausblick
    Dennoch sind die Potenziale von analytischen Anwendungen in der Cloud groß. Insbesondere die Kosteneinsparungen und Performance-Verbesserungen sowie vor allem auch die neue Dimension der Kundenintegration macht das Feld der BI-Cloud sehr interessant und bietet für viele Unternehmen neue Möglichkeiten.
    Gerade deswegen ist es notwendig, den Bereich BI in der Cloud zu konsolidieren und zu standardisieren, BI-Cloud-Dienste beschreibbar und vergleichbar zu machen und somit letztlich Anbieter und Anwender beim Verständnis, bei der Konzeption und der Nutzung zu unterstützen. An der Universität Oldenburg wird gezielt Forschung im Bereich Cloud Computing zu den Themen Referenzarchitektur und Beschreibungsmodell für analytische Anwendungen in der Cloud insbesondere mit dem Ziel der Standardisierung betrieben.

    Schlüsselwörter:

    Business Intelligence, Cloud Computing, Business Intelligence as a Service, BI-Cloud, Forschung

    Literatur:

    [1] Korol, T.; Korodi, A. 2010. Predicting bankruptcy with the use of macroeconomic variables. Journal of economic computation and economic cybernetics studies and research, 44 (1): S. 201 - 221.
    [2] Baier et al.: BIS GRID, Abschlussbericht Teil 3: Marktanalyse, 2010.
    [3] Trautwein, B.; Willmes, C.; Sachse, W.: Reifegrade im Corporate-Performance-Management; BI Spektrum, 2012, Ausgabe 3, S. 15 - 20.
    [4] Hebben, H.: Zurück zum Nutzen, BI Spektrum, 2009, Ausgabe 2, S. 44 – 45.
    [5] Luftman, J.; Ben-Zvi, T.: Key Issues for IT Executives 2011: Cautious Optimism in Uncertain Economic Times. MIS Quarterly Executive, 10(4), 2011.
    [6] acatech (Hrsg.): Future Business Clouds – Cloud Computing am Standort Deutschland zwischen Anforderungen, nationalen Aktivitäten und internationalem Wettbewerb; Herbert Utz Verlag, 2014.
    [7] Luftman, J.; Derksen, B.: Key Issues for IT Executives 2012: Doing More with Less. MIS Quarterly Executive, 11 (4), 2012.
    [8] Luftman, J.; Ben-Zvi, T.: Key Issues for IT Executives 2009: Difficult Economy’s Impact on IT. MIS Quarterly Executive, 9(1), 2010.
    [9] Appelrath; Kagermann; Krcmar (Hrsg.): Future Business Clouds, Ein Beitrag zum Zukunftsprojekt Internetbasierte Dienste für die Wirtschaft; Herbert Utz Verlag; 2014.
    [10] Vossen et al.: Cloud-Computing im Unternehmen, dpunkt.verlag; 2012.
    [11] Mell, P.; Grance, T.: The NIST Definition of Cloud Computing – Recommendations of the National Institute of Standards and Technology, Gaithersburg MD 2011.
    [12] Rosca; Moldoveanu: Management in turbulent conditions. Journal of Economic Computation and Economic Cybernetics Studies and Research 2 (2009): 5 - 12.
    [13] Nath, S. V. (2010): Oracle Business Intelligence in the Cloud, RMOUG 2010, http://www.rmoug.org/TD2010Pres/nath_03.pdf.
    [14] Hufgard; Krüger: SAP Busines by design; Galileo press; 2012.
    [15] Microsoft, o. J.: http://www.microsoft.com/en-us/powerbi/default.aspx#fbid=iE09Ktojn8u.
    [16] Seufert, A.; Bernhardt, N. 2010. Business Intelligence und Cloud Computing. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, Springer 47 (5): 34 - 41.
    [17] Bernhardt, Balluch: Self-Service Business Intelligence in der Cloud - Anforderungen, Sicherheitsaspekte, Konzepte. BI Spektrum, 2014 (1): 32 - 37.