Das Auslandsgeschäft stärkt den Erfolg

Axel Schmied

Neue Märkte eröffnen neue Chancen. Das internationale Geschäft führt viele Betriebe zum Erfolg. Gerade deutsche Unternehmen sind ausgesprochen erfolgreich darin, sich auch in fremden Nationen zu etablieren. Das zumindest hat die kürzlich erschienene Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) ergeben [1]. So stiegen die Umsätze derer, die ins Ausland gingen, um bis zu 60%. Dennoch wagen nicht nur die Großen das internationale Geschäft, auch kleine Mittelständler trauen sich trotz aller Hürden, wie Sprache, Kultur, Gesetzgebung und natürlich der IT, ins Ausland.

In anderen Ländern zu produzieren ist kein neuer Trend. Konzerne wie Siemens, Autobauer Volkswagen oder Chemiekonzern BASF sind schon lange international tätig. Heute sind es aber vielfach auch Unternehmen zwischen 50 und 500 Mitarbeitern, die nicht nur im Ausland produzieren wollen, sondern auch die zunehmend kaufkräftigen Märkte für sich entdecken, und Vertriebs- und Verkaufsniederlassungen gründen. Unternehmen, die bereits seit Jahrzehnten erfolgreich auf dem deutschen Markt sind, denken zunehmend darüber nach, Dependancen im Ausland zu gründen.

Zulieferer folgen ihren Auftraggebern

Dieser Trend hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Untermauert wird diese Beobachtung von der aktuellen IfM-Studie. Laut ihr sind 37% der Mittelständler bereits im Ausland aktiv. Weitere 20% planen den Schritt ins Ausland. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei Zulieferern, die typischerweise im Mittelstand angesiedelt sind. Sie folgten ihren Auftraggebern – großen Konzernen etwa aus der Auto-, Maschinenbau- oder Konsumgüterindustrie –, die Produktionsstätten in den wachsenden Märkten in Osteuropa oder Asien aufbauen.

Die Unternehmen setzen auf Erfolg. Das hat neben der IfM-Studie auch eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) ergeben: Die im Ausland aktiven Mittelständler sind erfolgreicher [2]. Laut der IHS-Studie „Internationalization – a driver for business performance“ sind sie sogar doppelt so erfolgreich wie ausschließlich auf das Inlandsgeschäft fokussierte Unternehmen. Internationaler Handel und Kooperation werden für kleine und mittelständische Unternehmen also zu Schlüsselfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg (Bild 1).

Bild 1: Internationale Aktivitäten erhöhen die Erfolgsquote [3].

Die Vorbereitung ist entscheidend

Kein Mittelständler startet einen Auslandsgang ohne entsprechende Vorbereitung. Fast alle Unternehmen sind sehr gut informiert und haben sich bereits intensiv Gedanken darüber gemacht, auf welche Herausforderungen sie treffen werden. Aufseiten der IT-Systeme geht es in erster Linie um die unterschiedlichen Landessprachen und Gesetzgebungen, auf die vor allem die ERP-Systeme zugeschnitten sein müssen. Rechtzeitig kommen die meisten mit diesen Anforderungen auf Software-Hersteller zu.

In diesem Zusammenhang ist jedes Auslandsprojekt individuell. Es gibt sehr unterschiedliche Wege, wie die zukünftige Auslandstochter mit einem geeigneten ERP-System ausgestattet werden kann. Welcher der Richtige ist, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, sodass je Einzelfall entschieden werden muss. Beispielsweise ist nicht immer ein System für alle Standorte notwendig. Es ergibt durchaus Sinn, bei einer ersten, kleinen Niederlassung mit einer lokalen Software, die Finanzbuchhaltung und Faktura vor Ort abdeckt, zu beginnen. Der Installationsaufwand liegt dann gerade einmal bei ein bis zwei Wochen.

Vorsicht vor Tabellenkalkulation

Sobald aber die zweite, dritte oder vierte Dependance hinzukommt, gilt es, genau zu prüfen, ob und wie die unterschiedlichen Systeme ineinandergreifen können. Ein Getränkehersteller und –distributor hat genau das getan. Mit aktuell vier ausländischen Standorten und weiteren zwei im Aufbau ist eine homogene und internationale ERP-Software, die die regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Landes abdeckt unumgänglich. Ohne einen Software-Partner, der das IT-Projekt übergreifend betreut, ist Tabellenkalkulation eine schnelle und einfache Lösung, die jedoch vermieden werden sollte. Eine gemeinsame Plattform sorgt in allen ausländischen Einheiten für eine einheitliche Datenbasis. Der Getränkehersteller bspw. integriert zudem das Management-Informationssystem des Hauptsitzes.

Investition in die Zukunft

Es ist die aufwendigste, aber auch leistungsstärkste Lösung, die ERP-Lösung in der Zentrale auf ein international einsatzfähiges System umzustellen. Unternehmer, die diesen Weg wählen, müssen mit höheren Kosten und längeren Projektlaufzeiten rechnen. Viele gehen ihn aber trotzdem, weil sie in Zukunft weitere Auslandstöchter gründen oder hinzukaufen wollen und auf einen schnellen und direkten Zugang zu den wichtigsten Geschäftszahlen angewiesen sind.

Die Datenanbindung ist dabei heute übrigens selten ein Problem: Selbst in den entlegensten Winkeln der Welt ist heute eine verlässliche Breitbandanbindung verfügbar, und auch Länder mit insgesamt schlecht entwickelter Infrastruktur sorgen für eine gute Internetanbindung, die einen schnellen Datenaustausch ermöglicht. Denn gerade strukturschwache Länder, die um die Ansiedlung ausländischer Gewerbebetriebe werben, haben verstanden, dass eine verlässliche und leistungsstarke Netzanbindung ein entscheidender Standortfaktor und für ausländische Unternehmen unverzichtbar ist.

Daten und Kultur konsolidieren

Bild 2: Weltweites Englischniveau [4].

Viele Hürden lassen sich dank einer geeigneten Software nehmen. Eine Problematik, bei der diese nur bedingt helfen kann, ist die der kulturellen Unterschiede. Denn auch wenn die Software läuft, dauert es erfahrungsgemäß eine Weile, bis sich die Unternehmenskultur und Workflows zwischen den Standorten eingespielt haben. Unterschiedliche Vorstellungen von Termintreue, Auffassungen von Hierarchien und generell verschiedene Herangehensweisen an Projekte erschweren zum Teil die Zusammenarbeit. Je mehr Nationalitäten involviert sind, desto höher ist das Konfliktpotenzial.

Zwar agieren mittelständische deutsche Unternehmen heute über Kontinente hinweg. Doch gehören profane Verständigungsprobleme mit zu den größten Herausforderungen: Englisch, speziell auf einem Business-Niveau, ist nicht überall selbstverständlich. Im nordeuropäischen Vergleich belegte Deutschland 2012 bei einer Studie der Organisation EF Education First unter zwei Millionen Teilnehmern weltweit nur einen hinteren 14. Rang, was die Englischkenntnisse betrifft [4]. In vielen südamerikanischen und asiatischen Staaten findet sich ein nur sehr rudimentäres Englischniveau, wie die Studie ergab (Bild 2). Hier braucht es erfahrene Führungskräfte, um die interkulturelle Zusammenarbeit zu etablieren. Eine Software gibt es dafür (noch) nicht.

Schlüsselwörter:

international, ERP-System, Erfolg, Ausland

Literatur:

[1] General Electric Company; Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2014):Triebwerk des Erfolgs – der deutsche Mittelstand im Fokus. www.gecapital.de/de/docs/GE_Capital_LFTM_report_DE.pdf (Abruf am 31.07.2014).
[2] DHL; IHS (2013): Internationalization – a driver for business performance. www.dhl.com/content/dam/downloads/g0/press/publication/dhl_research_inte... (Abruf am 31.07.2014).
[3] DHL; IHS (2013): Internationalization – a driver for business performance, Infografik. http://www.dhl.com/en/about_us/logistics_insights/studies_research/sme_i... (Abruf am 31.07.2014).
[3] EF Education First (2013): The EF english proficiency index. www.ef.de/__/~/media/efcom/epi/2014/infographics/infographic.pdf (Abruf am 31.07.2014).