ERP-Trend Cloud 2.0: Stabile Services in hybriden Szenarien

Godelef Kühl

Unmittelbarer Nutzen ohne Investitions- und Implementierungsaufwand: Das verbindet so manches Unternehmen mit dem Gang in die Wolke. Für viele Firmen- und IT-Lenker klingt die Vorstellung, ein neues ERP-System einzusetzen, ohne es direkt kaufen und aufwändig implementieren zu müssen, sehr reizvoll. Daher stellen die Möglichkeiten leistungsfähiger Cloud-Lösungen für immer mehr Entscheider eine attraktive Alternative dar und die Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran. Grund genug für einen Ausblick: Quo vadis, Cloud?

Ob in privaten oder professionellen Anwendungen: Cloud-Lösungen sind in relativ kurzer Zeit einen beachtlichen Siegeszug in der IT-Welt angetreten; ein Ende des Erfolgs ist nicht absehbar. Bei aller Begeisterung für zukunftsweisende Tools aus der Wolke ist allerdings nicht zu übersehen, dass eine zentrale Anforderung aufgrund der wachsenden Zahl von Einzellösungen oft unerfüllt bleibt: die Benutzerfreundlichkeit. Von Dokumentenmanagement über Collaboration-Konzepte bis zu BI-Lösungen gibt es in vielen Unternehmen ein unübersichtliches Nebeneinander verschiedener Plattformen, die ohne einheitliche Integration bedient werden müssen. Dabei wird ein ungeschriebenes Gesetz verletzt, mit dem Unternehmen üblicherweise innere Ordnung und Struktur sicherstellen: Je mehr digitale Dienste Anwender in Anspruch nehmen, umso mehr interessieren sich Unternehmen für Integration und Automatisierung.
 
Die Stärken von Cloud-ERP gezielt nutzen
Das Potenzial der Cloud ist ebenso unbestritten wie die Notwendigkeit, im operativen Geschäft agil und verlässlich auf relevante Daten und Prozesse zugreifen zu können. Hier stellt sich oft die Frage, welche Form der ERP-Installation die Zielsetzung des Managements am besten unterstützt. Zumeist steht neben der Flexibilität insbesondere Komplexitätsreduktion im Mittelpunkt der Entscheidung. Unter diesem Gesichtspunkt überrascht es kaum, wenn künftig in der Cloud 2.0 die Integration des ERP eine wichtige Rolle spielen wird, um die Usability auf einer einheitlichen Plattform zu verbessern.
 
Um die Ansprüche der Unternehmen möglichst umfassend zu erfüllen, bieten sich sogenannte hybride Cloud-Szenarien an: Während viele Unternehmen nach wie vor daran festhalten, die eigene ERP-Datenbank inhouse zu betreiben, lassen sich zusätzliche Services wie Dokumentenmanagement, Business Intelligence oder mobile Anwendungen für Außendienst und Service einfach und schnell aus der Cloud ergänzen. Die Vorteile dieses Konzepts sind breitgefächert: Zum einen arbeitet die Cloud nicht automatisch kosteneffizienter als eigene Hardware. Darüber hinaus beruhigt es Unternehmen, wenn sie wissen, dass ihre Applikationen stabil laufen und sie nicht allein von einem Administrator abhängig sind.
 

Webservices bilden die Basis für mobile ERP-Apps
Mithilfe eines ambitionierten Cloud 2.0-Konzepts können Unternehmen einzelne Dienste über standardisierte Schnittstellen deutlich schneller kombinieren. So profitieren sie von einer Reduktion der Komplexität beim Ausrollen anspruchsvoller Applikationen. Als Schnittstellen fungieren hierbei Webservices, die auf einer standardisierten Basis zur Abrechnung angeboten werden. Aufseiten der Anbieter von IT-Lösungen kommt es darauf an, die dafür benötigten Backend-Funktionen und Webservices zu entwickeln. Allerdings ist es auch für Anwender sinnvoll, sich klarzumachen, dass jede mobile App im ERP-Umfeld nichts weiter ist als eine konfigurierte Nutzung von Webservices.
 
So betrachtet ist die Cloud ein Technologie-Layer. Die Crux daran: In ihrer ursprünglichen Form hat sie die Unternehmen – insbesondere durch SAAS-Konzepte – noch stärker in die Abhängigkeit von einem Anbieter getrieben. Demgegenüber wird die Cloud 2.0 ihre Nutzer mit der Freiheit und Agilität ausstatten, Anwendungen zwischen dem eigenen Rechenzentrum und einem beliebigen Infrastrukturanbieter zu verschieben. Im Kern geht es dabei auch um die vieldiskutierte Frage nach dem Zusammenhang von Datensicherheit und Kontrollverlust über den eigenen wertvollen Datenbestand. Hier gilt es ein ausgewogenes Mittelmaß zu etablieren: Es geht darum, die Souveränität über die eigenen Daten und den Vorteil, Geschäftsprozesse via Cloud schnell und bequem abzuwickeln, in Einklang zu bringen.
 
Eine Frage unternehmerischer Weitsicht
Für welchen Cloud-Entwurf sich die Mehrheit der Unternehmen künftig entscheidet, ist nicht zuletzt eine Frage von strategischer betriebswirtschaftlicher Reichweite. Am Ende zählt vor allem, welchen Erfolg ein Lösungsansatz erzielt – und da sprechen alle relevanten Faktoren für die Cloud. Von der Wahl des Anbieters hängt es beispielsweise ab, ob das Unternehmen jederzeit Zugriff auf seine Daten hat und diese auch wieder aus der Cloud migrieren kann. Dafür ist ein internes Cloud-Konzept mit Weitsicht gefragt.
 
 
Autor: Godelef Kühl ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der godesys AG in Mainz.